Auf dem Areal in Offenbach entsteht in den nächsten Jahren das neue Kaiserviertel mit rund 1.200 Wohnungen, einer Kita, einem Hotel, Gewerbe- und Büroflächen

In Offenbach am Main hat der Rückbau der ehemaligen KWU-Türme am Kaiserlei begonnen. Die entkernten Hochhaus-Gerippe, die seit vielen Jahren von Frankfurt kommend das Entrée in die Stadt bilden, werden strukturiert zurückgebaut. Auf dem Areal errichtet die ABG FRANKFURT HOLDING das autofreie Stadtquartier Kaiserviertel mit rund 1.200 Wohnungen, einer Kita, einem Hotel und Flächen für das Gewerbe.

Bei einem Vor-Ort-Termin informierten am 28. Mai der Offenbacher Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung der ABG FRANKFURT HOLDING, und Lukas Schirmer, Prokurist und Leiter der Offenbacher Niederlassung des Abbruchunternehmens Becker Sanierungstechnik GmbH, über das Großprojekt. „Die KWU-Türme waren zu lange Zeit das Erste, was Menschen sahen, wenn sie nach Offenbach kamen. Das hat das Bild Offenbachs mit seinen mittlerweile in vielen Bereichen sehr positiven Entwicklungen lange verfälscht“, sagte der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke bei dem Termin. „Der Start des Rückbaus der Türme ist damit ein guter Tag für Offenbach. Der Bau des neuen Kaiserviertels durch die ABG wird einen wichtigen Beitrag zur Wahrnehmung unserer Stadt sowie die gesamte Entwicklung des Kaiserleis als attraktivem Wohnviertel und dynamischem Wirtschaftsstandort leisten“, so Schwenke weiter.

Gute Zusammenarbeit aller Beteiligten

„Wir haben das Grundstück im November 2025 erworben, nachdem die Offenbacher Stadtverordnetenversammlung unserem Konzept für das neue Kaiserviertel nach einer intensiven Planungs- und Abstimmungsphase zugestimmt hatte. Jetzt beginnen wir mit dem Rückbau der KWU-Türme, um dem zukünftigen Kaiserviertel Raum zu geben. Dass wir diesen Schritt, wie angekündigt, im Frühjahr gehen, zeigt, wie gut die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktioniert“, sagte ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Die ABG habe viel Erfahrung mit der Realisierung von großen Wohnungsbauprojekten.

Wie Junker ausführte, hat das Unternehmen in Offenbach als initialer Investor bereits Projekte im Hafenquartier und im Senefelder Quartier entwickelt. Mit dem Kaiserviertel übernimmt sie nun die Entwicklung am westlichen Stadteingang. „Hier entstehen fast 1.200 Mietwohnungen, darunter durch das Land Hessen geförderte Studierendenappartements und geförderte Wohnungen für die Stadt Offenbach. Wie bei unseren Projekten üblich, verbinden wir auch hier soziale Infrastruktur mit höchster Energieeffizienz und dem Anspruch, bezahlbare Wohnungen für alle Gruppen der Bevölkerung anzubieten“, so Junker weiter.

Ensemble aus vier Gebäuden mit Quartiersmitte und begrünten Innenhöfen

Die Planung des Projekts, in das die ABG rund 500 Millionen Euro investiert, sieht das Kaiserviertel als Ensemble aus vier achtgeschossigen differenzierten Gebäuden mit Staffelgeschossen, Quartiersmitte und begrünten Innenhöfen vor. Die Bruttogeschossfläche beträgt rund 122.000 Quadratmeter. Kernstück sind 1.179 Mietwohnungen. Ein Teil der Wohnungen soll als öffentlich gefördertes Studierendenwohnheim mit Platz für über 350 Studierende gebaut werden. Für die rund 100 öffentlich geförderten Wohnungen hat die Offenbacher Wohnungsbaugesellschaft GBO eine Kaufoption mit der ABG vereinbart, um sie künftig selbst betreiben zu können.

Entlang der Strahlenberger Straße entstehen über 4.000 Quadratmeter Bürofläche, ein Hotel und ein Parkhaus mit über 350 Autoabstellplätzen. Weitere Stellplätze sind in Tiefgaragen vorgesehen, so dass insgesamt über 700 Stellplätze zur Verfügung stehen werden. Auch ein Supermarkt und eine Kindertagesstätte sind geplant.

Das Quartier wird im Inneren autofrei und mit einer begrünten Quartiersmitte konzipiert. Die Quartiersmitte folgt dem Schwammstadtprinzip, nach dem Regenwasser möglichst vor Ort versickern soll. Fassaden- und Dachbegrünung sollen das Mikroklima verbessern, Dachflächen werden für Regenwasserretention, Energiegewinnung und gemeinschaftliche Terrassen genutzt. Die ersten Wohnungen werden voraussichtlich ab dem Jahr 2029 bezugsfertig sein.

Vorbereitungen für den Rückbau der KWU-Türme sind abgeschlossen

Zum Beginn des strukturierten Rückbaus sagt Lukas Schirmer, Prokurist und Leiter der Offenbacher Niederlassung des beauftragten Abbruchunternehmens Becker Sanierungstechnik GmbH: „Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Geräte sind vor Ort, das Personal ist einsatzbereit. Wir können loslegen. Es ist für uns ein spannendes und herausforderndes Leuchtturmprojekt, in das im Vorfeld schon viel Planung und Arbeit geflossen ist. Wir haben uns gefreut, dass wir den Zuschlag bekommen haben.“

Becker Sanierungstechnik hat bereits mehrere vergleichbare Projekte realisiert, an denen auch das jetzt in Offenbach eingesetzte Personal beteiligt war. „Für Teile der Teams, die den Abbruch an vorderster Front ausführen, ist das Verfahren weitgehend Routine“, so Schirmer. Aktuell laufen die letzten Vorbereitungen für die Gerüstmontage. Vordächer wurden abgebrochen, damit die Gerüste eng an die Gebäude herangestellt werden können. Drei Turmdrehkräne mit Höhen von 78, 85 und 99 Metern und Auslegern von jeweils 45 Metern sind bereits montiert. Die drei Gebäudeteile sind noch 73, 65 und 59 Meter hoch. Dass sie seit 2019 bereits teilweise entkernt und seitdem durch provisorische Stützkonstruktionen gesichert werden, mache den Abbruch „technisch anspruchsvoll“.

Rückbau in gestuftem Verfahren mit moderner Abbruchtechnik

Das ausgewählte Verfahren verbindet hohe Sicherheit und Emissionsschutz. Die Nachbarn in den umliegenden Gebäuden werden dadurch möglichst wenig durch Lärm und Staub beeinträchtigt. Vor Beginn der Hauptabbrucharbeiten werden alle drei Gebäude vollständig eingerüstet und mit Staubschutznetzen verkleidet. In den jeweils obersten drei Etagen werden zusätzlich Lärmschutzkassetten am Gerüst montiert, die mit dem Arbeitsfortschritt kontinuierlich nach unten wandern. Die Bautätigkeiten finden in der Regel werktags zwischen 7 und 18 Uhr statt. Die Nachbarn wurden in einem Anschreiben über die anstehende Rückbaumaßnahme in Kenntnis gesetzt. Darin wurden auch ein persönlicher Kontakt und eine E-Mailadresse für Rückfragen angegeben.

Der eigentliche Rückbau folgt einem gestuften Verfahren. Oberhalb von rund 40 Metern kommt viel Handarbeit, unterstützt von moderner Roboter- und Schneidetechnik, zum Einsatz. Die Deckensegmente werden mit Diamantsägen und ferngesteuerten Robotern in krangerechte Formate geschnitten. Anschließend werden Löcher in die Elemente gebohrt, um die Betonteile sicher an den Turmdrehkran anzuschlagen und auf den Boden zu bringen. Ab etwa 40 Metern Gebäudehöhe übernehmen starke Abbruchmaschinen die Arbeit. Zunächst kommt ein Longfront-Bagger mit einem 50-Meter-Ausleger für die oberen Bereiche zum Einsatz, anschließend eine 36-Meter-Maschine für die mittleren Gebäudezonen. Mit diesem gestuften Geräteeinsatz wird ein Höhenniveau von 12 bis 13 Metern erreicht, ab dem, wie aus dem Rückbaukonzept hervorgeht, ein konventioneller 30-Tonnen-Kettenbagger den Restabbruch bis zur Bodenplatte übernimmt. Fundamente und Bodenplatten werden abschließend mit einem 70-Tonnen-Bagger ausgebrochen.

Abbruchmaterial wird vor Ort aufbereitet

Um Staubemissionen weitgehend zu vermeiden, wird beim maschinellen Rückbau durchgehend befeuchtet. Dafür kommen im Ausleger montierte Bedüsungen, handgeführte Wasserschläuche und bei Bedarf Wasserkanonen zum Einsatz. Das Abbruchmaterial wird vor Ort mit Brechertechnik zu Verfüll- und Auffüllmaterial aufbereitet und soll soweit möglich nach Absprache mit der ABG im Rahmen des Neubaus wiederverwendet und zur Wiederverwendung zertifiziert werden. Die oberirdischen Abbrucharbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2026 größtenteils abgeschlossen und die gesamten Abbrucharbeiten in der ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen sein.

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