Für Nachbarschaft und soziales Miteinander

Daniela Hartmann und Ibo Bakari vom Quartiers- management.

Für Nachbarschaft und soziales Miteinander

Der Frankfurter Stadtteil Niederrad ist seit einigen Jahren im Wandel. Die frühere Bürostadt ist zum „Lyoner Quartier“ geworden. Die ABG hat sich mit dem Bau von rund 650 neuen Wohnungen, mehreren Kindertagesstätten und neuen Einkaufsmöglichkeiten wesentlich an der Entwicklung hin zu einem urbanen Wohnquartier beteiligt. Auch die Sanierung der sechs Wohnhochhäuser und der Außenanlagen der am Main gelegenen Siedlung „Im Mainfeld“ hat wesentlich zur Aufwertung des Quartiers beigetragen. Begleitet und unterstützt wird dieser Wandel vom Quartiersmanagement der Stadt Frankfurt, das in Niederrad von der Caritas organisiert wird. Seit 2020 ist Ibo Bakari Quartiersmanager und teilt sich seit 2024 eine Stelle mit Daniela Hartmann.

Sozialberatung wird stärker nachgefragt

Die baulichen Veränderungen in der Siedlung werden von den Menschen, die hier leben, positiv wahrgenommen, sagen die beiden Quartiersmanager. Gleichzeitig, berichten sie, leben viele zunehmend in schwierigen sozialen und ökonomischen Verhältnissen. Für solche Anliegen ist das Quartiersmanagement ein wichtiger Ansprechpartner. Die allgemeine Sozialberatung zählt zu den zentralen Schwerpunkten ihrer Arbeit. „Manchmal kommen Leute mit einer Kiste voller Briefe, die geordnet werden müssen. Bei anderen geht es um Schuldnerberatung. Es ist wirklich alles dabei, wo es um den Zugang zum Sozialstaat, und zum Sicherungssystem geht“, berichtet Ibo Bakari.

Die beiden Quartiersmanager spüren, dass der Bedarf an Unterstützung seit einigen Jahren stetig wächst. Viele Bewohnerinnen und Bewohner benötigen Hilfe beim Umgang mit Ämtern, beim Ausfüllen von Formularen oder bei anderen bürokratischen Hürden. Sie arbeiten bei der allgemeinen Sozialberatung eng mit Helferinnen und Helfern im Ehrenamtsprojekt der katholischen St. Jakobus-Gemeinde zusammen. Was die Menschen auch beschäftigt, sind Themen wie Vereinsamung und fehlender Zusammenhalt. „Auch Fragen rund um das Thema Alter und Gesundheit sind mehr geworden“, sagt Ibo Bakari. Eine weitere ehrenamtliche Sozialberatung, die sich speziell um Fragen von Senioren und Seniorinnen kümmert, wurde gerade eingerichtet.

Initiativen unterstützen und fördern

Allein könnten die beiden Quartiersmanager ihre vielen Aufgaben nicht stemmen. Sie sind darauf angewiesen, dass sich Menschen für ihre Nachbarschaft und das soziale Miteinander engagieren wollen. Das wollen sie gezielt fördern und mit ihren Mitteln unterstützen. In fünf Jahren hat Ibo Bakari, der in Weimar und Frankfurt Urbanistik und Humangeografie studiert hat, sich ein großes Netzwerk aufgebaut und kennt viele Ansprechpartner, die bei der Umsetzung helfen können. Auch Daniela Hartmann hat langjährige Erfahrung in der Sozialberatung und bringt mit mehreren Masterabschlüssen in Sozialberatung, Supervision und Organisationsentwicklung viel Fachwissen ein. Sie arbeitet zu zwei Dritteln ihrer Arbeitszeit auch im Quartiersmanagement im Gallus.

Die Quartiersmanager beteiligen sich an vielen Projekten: Sie organisieren zum Beispiel, dass das Spielmobil oder das Junge Museum ins Mainfeld kommen. Sie waren daran beteiligt, dass der Caritasverband mit dem Stadtplanungsamt und dem Grünflächenamt den Bolzplatz neu angelegt hat. „Sehr gut angenommen wird auch die Selbstschrauber-Fahrradwerkstatt, für die uns die ABG die Räume zur Verfügung stellt“, sagt der Quartiersmanager. Dieses Angebot organisieren sie gemeinsam mit dem „Jugendtreff Mainfeldvilla“.

Daniela Hartmann berichtet von einer Frau, die kürzlich in eine der Neubauwohnungen im Lyoner Quartier gezogen ist und etwas tun will, um junge Mütter miteinander in Kontakt zu bringen. Gemeinsam wird jetzt überlegt, wie das umgesetzt werden kann. Auch das in anderen Frankfurter Stadtteilen bereits erfolgreich umgesetzte Konzept der „Kiezläufer“ soll nach Niederrad kommen. Dabei werden Bewohner ehrenamtlich als Vertrauenspersonen in ihrer Nachbarschaft aktiv und fördern so den sozialen Zusammenhalt.

Feste und Begegnungen

Ein lebendiges Miteinander der Menschen lebt auch von Begegnungen und Veranstaltungen. So wurde in diesem Jahr das in den Jahren der Pandemie vermisste Nachbarschaftsfest im Mainfeld wieder zum Leben erweckt. An einem warmen Junitag kamen die Menschen aus den Hochhäusern zusammen, um bei Musik, internationaler Küche und freundschaftlicher Atmosphäre zu feiern. Auch das alljährliche „Suppenfest“ im September bringt Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen. Organisiert von der evangelischen Paul-Gerhard-Gemeinde treten dabei verschiedene Gruppen in einer „Challenge um die besten Teller“ an.